KERNSANIERUNG · RÄUMLICHE NEUORDNUNG · INNENAUSBAU

Umbau
Wohnhaus

Ein Wohnhaus der 1970er-Jahre mit ausgeprägter räumlicher Identität wird aus seinem Bestand heraus neu gedacht. Nicht die Vergangenheit des Hauses sollte verschwinden – seine Seele, seine Split-Level-Struktur, die großen Raumhöhen und charakteristischen Bauteile wurden zum Ausgangspunkt des Entwurfs. Durch gezielte Öffnungen, neue Blickbeziehungen, Einbauten, Material und Licht entsteht eine zeitgemäße Wohnlandschaft, die den Charakter des Bestands bewahrt und zugleich neu erlebbar macht.

ORTBad Breisig
JAHR2019
AUFGABEKernsanierung · räumliche Neuordnung
LEISTUNGEntwurf · Detailplanung · Materialkonzept · Bauleitung · Einrichtung
Fertiggestellter Wohnbereich mit blauen Sesseln nach der Kernsanierung, ausgerichtete Hero-Ansicht

BESTAND · NEUE RAUMORDNUNG

Der eigentliche Entwurf wird im Vergleich sichtbar.

Der Umbau beginnt mit dem genauen Lesen des Bestands. Stark gegliederte Raumfolgen, geschlossene Einbauten und voneinander getrennte Nutzungsbereiche werden nicht einfach entfernt, sondern in eine neue räumliche Ordnung überführt. Öffnungen, Sichtachsen und gezielt gesetzte Einbauten lassen aus einzelnen Räumen eine zusammenhängende Wohnlandschaft entstehen – offener, heller und großzügiger, ohne die Herkunft des Hauses zu verleugnen.

BESTANDBestand mit dunklen Holzeinbauten und stark gegliederter Treppenzone
ERGEBNISFertiggestellter offener Wohnbereich mit Kamin, Treppe und blauen Sesseln

Vom gegliederten Bestand zur offenen Raumfolge.

Die raumhohen Holzeinbauten und die starke Gliederung bestimmten den Bestand. Durch Öffnung, neue Sichtachsen und eine klar gefasste Treppenzone werden Wohnen, Essen und Erschließung als zusammenhängender Raum lesbar.

BESTANDKüche im ursprünglichen Bestand mit dunklen Holzfronten
ERGEBNISNeu gefasster Bereich mit Einbauten und offener Verbindung zu den angrenzenden Räumen

Von der abgeschlossenen Nutzung zur räumlichen Verbindung.

Die frühere Küche war als eigener, stark abgegrenzter Bereich ausgebildet. Im Umbau übernehmen Einbauten und großformatige Schiebeelemente die Zonierung, ohne die neuen Blick- und Raumbeziehungen wieder zu schließen.

KAMIN · RÄUMLICHE MITTE

Aus der früheren Ofensituation wird ein räumlicher Anker.

Die frühere Ofensituation wird zum räumlichen Mittelpunkt des Hauses weiterentwickelt. Der neue Kamin ist nicht als einzelnes Objekt gedacht, sondern als Teil der Raumarchitektur: Er gliedert, verbindet und schafft Orientierung innerhalb der geöffneten Wohnbereiche. Konstruktion, Materialität und Einbindung wurden so entwickelt, dass aus einem funktionalen Bauteil ein prägender räumlicher Anker entsteht.

Copic-Darstellung des geplanten Kamins mit integriertem Holzfach
ENTWURF · KAMIN / HOLZFACH
Bestandssituation mit freistehendem Ofen vor der Neuordnung
BESTAND · OFENSITUATION
Kamin im Ausbauzustand während der räumlichen Neuordnung
HERSTELLUNG · ROHBAU
Aufbau des neuen Kamins während des Innenausbaus
HERSTELLUNG · ROHKAMIN / BRENNSTELLE
Kamin mit erster Feuerprobe während des Innenausbaus
HERSTELLUNG · FEUERPROBE
Fertiger Kamin mit beleuchtetem Holzfach als räumliches Detail
ERGEBNIS · KAMIN / HOLZFACH

DETAIL · ABSTELLRAUM

Schrankwand, Schiebetür und Einbauten ordnen die Küche neu.

Die Schrankwand bildet den Übergang zwischen Küche und Abstellraum. Eine 77,5 × 73 cm große Nische nimmt den Kühlschrank auf und hält ihn aus dem direkten Blickfeld – Ziel war eine visuell ruhige, klar geordnete Küche. Der graue Korpus mit beleuchteten Nischen bleibt als räumlicher Einbau sichtbar; die ca. 3,50 m hohe, großformatige weiße Schiebetür schließt den dahinterliegenden Stauraum. Küchenzeile, Einbauzone und Essbereich werden so zu einem zusammenhängenden räumlichen System verbunden. Das Detail wurde von der zeichnerischen Entwicklung bis zur handwerklichen Ausführung konstruktiv und gestalterisch durchgearbeitet.

Begradigte Bestandssituation der ehemaligen Küche und Einbauten vor dem Umbau
BESTAND · KÜCHE / EINBAUTEN
Originalzeichnung der Schrankwand mit Schiebetür und Zuordnung der Küche
PLANUNG · SCHRANKWAND / SCHIEBETÜR
Fertige Schrankwand mit beleuchteten Nischen und weißer Schiebetür
FERTIGSTELLUNG · SCHIEBETÜR / NISCHEN
Raumseite der Einbauten mit Nischen, Regalelement und angeschlossener Küchenzone
ERGEBNIS · EINBAU / RAUMSEITE
Küchenzeile als ruhige, reduzierte Arbeitsfläche unter dem Fenster
ERGEBNIS · KÜCHE / ARBEITSBEREICH
Essbereich als räumlicher Anschluss an Küche und Einbauten
ERGEBNIS · ESSBEREICH
Trockenbaukonstruktion der Schrankwand während der Ausführung
KONSTRUKTION · TROCKENBAU

BESTAND · NEUORDNUNG

Bestand neu geordnet. Material weitergedacht.

Die kleinteilige Struktur des 1970er-Jahre-Hauses wurde nicht pauschal aufgelöst. Entscheidend war die Frage, welche vorhandenen Qualitäten weitergetragen und wo neue räumliche Beziehungen geschaffen werden können. Bad und separates WC wurden zu einer neuen Einheit verbunden, die ehemalige Sauna zum Wasch- und Trockenraum weiterentwickelt.

Die neuen Grundrisse reagieren bewusst auf die vorhandene Gebäudestruktur. Nischen, Anschlüsse und bestehende Abmessungen werden nicht als Einschränkung verstanden, sondern zum Ausgangspunkt einer präzisen Neuordnung. Funktion, Material und Raumwirkung entstehen dabei aus einem gemeinsamen Entwurf.

BESTAND

Kolorierter Bestandsgrundriss Erdgeschoss des Wohnhauses vor dem Umbau
BESTAND · ERDGESCHOSS / BAD · WC · SAUNA
Kolorierter Bestandsgrundriss Untergeschoss des Wohnhauses vor dem Umbau
BESTAND · UNTERGESCHOSS / BAD

NEUORDNUNG

Detailplanung des neu geordneten Bad- und Waschbereichs
PLANUNG · BAD / WC / WASCHEN
Detailplanung des neu geordneten Bades im Kellergeschoss
PLANUNG · BAD KG / DUSCHE · WASCHTISCH · WC

RAUM · SPLIT-LEVEL · LICHT

Raumhöhe als Entwurfsqualität.

Die außergewöhnliche räumliche Staffelung gehört zu den stärksten Qualitäten des Hauses. Gegenläufige Pultdächer, Split-Level und Raumhöhen von 4,24 bis 5,39 m erzeugen eine vertikale Großzügigkeit, die für den Bestand prägend ist. Diese Charakteristik wurde nicht nivelliert, sondern bewusst freigelegt und weiterentwickelt.

Neu gesetzte, hochliegende Lichtbänder führen Tageslicht tief in die Wohnbereiche und lassen die versetzten Ebenen optisch miteinander in Beziehung treten. Licht wird damit selbst zum architektonischen Mittel: Es betont Höhe, Tiefe und Bewegung und macht die besondere Raumfolge des Hauses neu erfahrbar.

SCHNITT · SPLIT-LEVEL / GEGENLÄUFIGE PULTDÄCHER
SCHNITT · SPLIT-LEVEL / GEGENLÄUFIGE PULTDÄCHER
RAUM · LICHTBAND / WOHNBEREICH
RAUM · LICHTBAND / WOHNBEREICH
RAUM · SPLIT-LEVEL / VERTIKALE WEITE
RAUM · SPLIT-LEVEL / VERTIKALE WEITE
RAUM · STAFFELUNG / TREPPENRAUM
RAUM · STAFFELUNG / TREPPENRAUM

MATERIALIEN

Material als Teil der räumlichen Neuordnung.

Material wird nicht als nachträgliche Oberfläche verstanden, sondern als Teil der räumlichen Neuordnung. Bestehendes und Neues werden bewusst miteinander verbunden: aufgearbeitetes Holz trifft auf neue Parkettflächen, kleinformatige Metrofliesen auf ruhige Großformate, keramische Oberflächen auf frei gehaltene und farbig gefasste Wände.

So entsteht kein vollständig neuer Materialkanon, sondern eine Weiterentwicklung des Hauses aus seiner eigenen Geschichte heraus – vertraut und zugleich deutlich verändert.

FLIESEN · FARBFÄCHER · FARBEN

Farbbemusterung mit ausgewählten Farbtönen für die Innenräume – bereinigte Darstellung ohne Hand
FARBE · BEMUSTERUNG
Quadratische Farb- und Glasurmuster auf Bodenfläche
MATERIAL · FARBSTUDIE / GLASUR
Fliesenmuster in hellen neutralen Tönen
MATERIAL · FLIESENMUSTER HELL / NEUTRAL
Erweiterte Fliesenbemusterung mit zusätzlichen Farbakzenten
MATERIAL · FLIESENMUSTER ERWEITERT
Fliesenfarbtöne auf Bodenmuster abgestimmt
MATERIAL · FLIESEN / FARBABSTIMMUNG
Großformatige Bodenfliesen in mehreren Beige- und Grautönen, um 90 Grad im Uhrzeigersinn gedreht
MATERIAL · BODENFLIESEN GROSSFORMATIG

BADEZIMMER · FLIESEN

Fischgrät als räumliches Motiv.

In den Bädern wird das kleinformatige Fliesenformat selbst zum gestalterischen Werkzeug. Die Metrofliese verlässt den klassischen horizontalen Läufer und wird im Fischgrätverband über Flächen und Ecken geführt. Dadurch entsteht Bewegung, Tiefe und eine eigene räumliche Identität – gerade in den kompakten Grundrissen.

Großformatige, ruhige Flächen bilden den Gegenpol. Die Wände werden bewusst nicht vollständig keramisch geschlossen: Weiß, Rosé und ein helles Blau lösen die Fliesenflächen auf, geben ihnen Luft und verleihen den Bädern eine unerwartete Wohnlichkeit und Leichtigkeit.

BAD · WANNE / FISCHGRÄT
BAD · WANNE / FISCHGRÄT
BAD · FISCHGRÄT / WANDFLIESE
BAD · FISCHGRÄT / WANDFLIESE
BAD · VERLEGUNG / FISCHGRÄT / ECKAUSBILDUNG
BAD · VERLEGUNG / FISCHGRÄT / ECKAUSBILDUNG
BAD · FARBFLÄCHE / FISCHGRÄT
BAD · FARBFLÄCHE / FISCHGRÄT
BAD · DUSCHE / NISCHE / GROSSFORMATIGE WAND- UND BODENFLIESE
BAD · DUSCHE / NISCHE / GROSSFORMATIGE WAND- UND BODENFLIESE
BAD · GÄSTE-WC / WASCHPLATZ / FISCHGRÄT
BAD · GÄSTE-WC / WASCHPLATZ / FISCHGRÄT

PARKETT

Bestand erhalten. Parkett weitergeführt.

Der Umgang mit dem Parkett folgt derselben Haltung: erhalten, wo Substanz und Charakter vorhanden sind – ergänzen, wo die neue Raumordnung es verlangt. Massive Eichenparkettflächen wurden aufgearbeitet und weitergeführt; ehemalige Terrakotta- und Fliesenbereiche mit Stabparkett oder Fischgrät ergänzt.

Alt und Neu sollen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die unterschiedlichen Verlegearten und Holztöne erzählen vielmehr die Entwicklung des Hauses weiter. Im Bürobereich wird dieses Prinzip bewusst freier interpretiert und zu einem lebendigeren, eigenständigen Bodenbild verdichtet.

Wohnbereich mit hellem Holzparkett als Ausgangssituation
PARKETT · AUSGANGSSITUATION WOHNBEREICH
Verlegter Holzboden im Raum
MATERIAL · PARKETT / OBERFLÄCHE
Holztreppe und Parkettfläche im Zuge der Aufarbeitung
PARKETT · TREPPE / ÜBERGANG
Verlegeprobe eines Fischgrätparketts aus dunklen und hellen Holzstäben
PARKETT · VERLEGEPROBE FISCHGRÄT
Bestandsparkett mit Übergängen zwischen Alt- und Neubereich
PARKETT · BESTAND / ALT- UND NEUBEREICH
Probeverlegung Fischgrätparkett auf der Baustelle
MATERIAL · PARKETT / VERLEGUNG
Bestandstreppe und Parkett während der Aufarbeitung
PARKETT · AUFARBEITUNG / BESTAND

BELEUCHTUNG

Vorhandene Designleuchten neu inszeniert.

Prägende Designleuchten aus dem Bestand werden bewusst erhalten und in den neu geordneten Räumen wieder inszeniert. Ihre eigenständige Formensprache wird Teil des neuen Innenraumkonzepts und setzt gezielte Akzente innerhalb der großzügig geöffneten Raumfolge.

Ergänzt werden die vorhandenen Leuchten durch bewusst gesetzte Wand-, Punkt- und Nischenbeleuchtung. Licht wird dabei nicht ausschließlich funktional verstanden, sondern als gestalterisches Mittel eingesetzt, um Raumtiefe, Einbauten, Oberflächen und einzelne architektonische Situationen hervorzuheben und unterschiedliche Stimmungen innerhalb des Hauses entstehen zu lassen.

Bereits während der Bauphase werden einzelne Leuchten, Lichtpositionen und Abstrahlrichtungen vor Ort erprobt. Lichtwirkung, Schattenwurf, Reflexionen und das Zusammenspiel mit den jeweiligen Raumproportionen können so unmittelbar beurteilt und die endgültige Positionierung daraus entwickelt werden.

Wandleuchte mit gerichteter Lichtwirkung an der Treppe – bereinigter Bildausschnitt
LICHT · WANDLEUCHTE
Vorhandene verchromte Designleuchte im Wohnbereich neben blauem Sessel
DESIGNOBJEKT · LEUCHTE / WOHNBEREICH
Wandleuchten im Wohnbereich mit gerichteter Lichtwirkung an einer hellen Wand
LICHT · WANDLEUCHTEN / ARBEITS- UND BESPRECHUNGSBEREICH
Pendelleuchte mit geflügelten Leuchtmitteln im Raum
INGO MAURER · BIRDIE LED PENDELLEUCHTE
Zettelleuchte im Raum – Eingangsbereich vor dem Heizkörper bereinigt
INGO MAURER · ZETTEL'Z 5
Begradigte und bereinigte Ansicht des Kamins mit beleuchtetem Holzfach
LICHT · KAMINNISCHE
Bereinigte Nachtaufnahme der Eckfassade mit gezielter Außenbeleuchtung
LICHT · AUSSENWIRKUNG / ECKE
Wandleuchten im Eingangsbereich – Boden und Folien bereinigt
LICHT · NEBENEINGANG / CARPORT
Heller Wohnbereich mit Pflanze und lebendigem Fischgrätparkett als Abschlussbild
WEITERBAUEN IM BESTAND Bestehende Substanz, neue Raumbezüge und präzise Einbauten werden zu einem zusammenhängenden Wohnkonzept.